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GAfA-Projekt "ZentrALL" entwickelt Netzwerkmanagementtool


Seit Dezember 2009 berät und begleitet das Team des Zentrums für Alleinerziehende (ZentrALL) mithilfe der Förderung des Ideenwettbewerbs „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Weg in die Erwerbstätigkeit. In Trägerschaft des Bildungswerks der Niedersächsischen Wirtschaft gGmbH und enger Kooperation mit dem lokalen Jobcenter folgen Projektansatz, Maßnahmen- und Förderplanung sowie die Arbeit mit den Teilnehmenden einem ganzheitlichen und mobilisierenden Ansatz.

Die Möglichkeit der Mitbestimmung und Beteiligung der Teilnehmenden ist zentrales Element der Arbeit. Ziel ist die Aktivierung von Ressourcen und Eigenverantwortung. Die Alleinerziehenden zu „Expert/-innen ihrer selbst“ werden zu lassen, ist ein Leitgedanke des Projekts, so Reza Bayat, Psychologe und Koordinator des Projekts ZentrALL.

Um eine möglichst große Anzahl Alleinerziehender zu erreichen wird mit Hilfe freiwilliger Angebote ein niedrigschwelliger Zugang gewährleistet. Zudem wird die Kursgestaltung an die individuelle Lebenslage der alleinerziehenden Frauen und Männer angepasst, da es nicht „den“ oder „die Alleinerziehenden“ gibt. Aus demselben Grund integriert das Beraterteam des ZentrALL auch Angebote anderer Träger, damit solche Bedarfe, die nicht durch das ZentrALL abgedeckt werden können, aktiv in den Case-Management-Prozess einfließen können.

Die Projektförderung wird zudem genutzt, um ein eigens hierfür entwickeltes Netzwerkmanagementtool (Zentrool) zu erproben.

Zentrool

Die Entwicklung und Implementierung eines prototypischen Netzwerkmanagementtools (Zentrool) stellt eine innovative, datengestützte Ergänzung zu qualitativen Betrachtungen über den Erfolg des Projekts dar. Als Instrument dient es zur Projektsteuerung, trägerübergreifenden Vernetzung sowie zur Dokumentation von teilnehmerbezogenen Veränderungen. So liefert Zentrool erstens die Grundlage für eine passgenaue und realistische Bedarfsanalyse (bottom-up), stellt zweitens eine Basis für die Optimierung des Case-Managements dar und ermöglicht drittens eine laufende Qualitätsprüfung in Anspruch genommener Angebote.

Verschiedene Befragungen der teilnehmenden Alleinerziehenden sind ein Kern von Zentrool. Eine Vorher-Nachher-Messung unterschiedlicher Indikatoren zu Beginn und Abschluss der Maßnahme ermöglicht eine teilnehmerbezogene Veränderungsmessung. Die Teilnehmenden bewerten eine Reihe von psychologischen und soziologischen Parametern zum Beispiel zu ihrem Gesundheitszustand oder ihrer Motivation. Der Vergleich der zwei Erhebungszeitpunkte wird zudem als Ergänzung zu den im Rahmen des Case-Managements getroffenen qualitativen Bewertungen herangezogen.

Auch vor und nach in Anspruch genommenen Angeboten und Aktivitäten werden die Teilnehmenden über deren Qualität und Wirksamkeit befragt. Die Einschätzungen liefern Erkenntnisse zu ihren Unterstützungsbedarfen, der vorhandenen Struktur an Unterstützungsangeboten und den Lücken in der lokalen Angebotslandschaft. Zudem dienen die so erhobenen Daten einer bedarfsorientierteren Ausrichtung von Kursinhalten und -formaten.

In aggregierter Form werden die Ergebnisse der Befragungen der Teilnehmenden zudem in regelmäßig stattfindenden Beiratssitzungen herangezogen, um Aspekte der trägerübergreifenden Zusammenarbeit sowie der Kostenoptimierung kritisch zu reflektieren. So wurde zum Beispiel deutlich, dass auch bestimmte strukturelle Defizite – wie Betreuungsstrukturen und fehlende Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung – bedeutende Probleme im Hinblick auf die Arbeitsaufnahme darstellen. Als Konsequenz haben sich unterschiedliche Beiratsmitglieder bzw. Institutionen in themenbezogenen Arbeitsgruppen zusammengefunden, um mögliche Lösungen zu erarbeiten.

Die Auswahl der Indikatoren ermöglicht eine differenzierte Betrachtung intrinsischer und extrinsischer Einflussfaktoren. Unter Berücksichtigung der Vielseitigkeit der Lebenslagen der Zielgruppe kann aufbauend auf diesen Befunden das Kursangebot sowie das Angebot an flankierenden Unterstützungsangeboten bedarfsorientiert ergänzt werden und die strategische Vernetzung, Ansprache und Beteiligung von verschiedenen kommunalen und regionalen Akteuren verbessert werden.

Perspektivisch sind die nachhaltige Implementierung und wissenschaftlich fundierte Professionalisierung des Netzwerkmanagementtools in Planung. In Form eines onlinegestütztes Instruments sollen so auch die Einschätzungen anderer am Projekt beteiligter Akteure mit einbezogen werden. Idealerweise ermöglicht dies eine 360°-Betrachtung verschiedener Aspekte und die Gegenüberstellung unterschiedlicher Bewertungen. In Zusammenarbeit mit der Universität Oldenburg bildet die am Ende der Projektlaufzeit finale Evaluation die Grundlage einer zukünftigen Ausgestaltung des Instruments.

Kontaktdaten und nähere Informationen zum Projekt ZentrALL finden Sie hier.