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Sensibilisierung der Arbeitgeber für Potenziale von Alleinerziehenden

Erfahrungen aus der Programmbegleitung des ESF-Bundesprogramms „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ zur bedarfsgerechten Arbeitgeberansprache

Die Sensibilisierung der Arbeitgeberseite für die Zielgruppe der Alleinerziehenden ist ein entscheidender Erfolgsfaktor, um Arbeitsplätze zu erschließen und individuelle Vermittlungschancen zu erhöhen. Arbeitgeber davon zu überzeugen, Vorbehalte gegenüber Alleinerziehenden, wie höhere Fehlzeiten oder auch geringere Belastbarkeit, zu überdenken, stellt den Kern einer arbeitgebergerechten Ansprache dar. Eine gut vorbereitete Unternehmensansprache kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen und eine Reihe von Argumenten in den Mittelpunkt stellen.

Wie die bisherigen Analysen der Programmumsetzung „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ gezeigt haben, scheinen zwei ineinandergreifende Strategien besonders erfolgreich bei der Erschließung von Beschäftigungsmöglichkeiten für die Teilnehmenden zu sein:

  • Die grundsätzliche Sensibilisierung von Unternehmen für die Stärken und Potenziale von Alleinerziehenden führt zum Abbau von Vorurteilen und erhöht das Bewusstsein für das Thema Vereinbarkeit in der Breite. An diesem Punkt setzen auch die „Netzwerke wirksamer Hilfen für Alleinerziehende“ an, die die Arbeitgeberseite vornehmlich über die Beteiligung von Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und lokalen Wirtschaftsförderungsverbänden in den Netzwerken sensibilisieren wollen.
  • Durch bewerberseitiges Matching und Einzelfallabsprachen können darüber hinaus konkrete Zugangswege zu Unternehmen eröffnet und Praktikums- oder Arbeitsstellen akquiriert werden.

Hinsichtlich beider Aspekte wurden bereits tragfähige Ansätze in den Projekten erprobt. So bieten beispielswiese Unternehmensforen, Informationsveranstaltungen oder Arbeitgeberstammtische die Möglichkeit, Vorurteile abzubauen und Potenziale Alleinerziehender zu betonen. Um diese Formate für Arbeitgeber attraktiv zu gestalten, sollten zwei Dinge beachtet werden: Die Veranstaltungen sollten zeitlich auf maximal zwei Stunden begrenzt sein. Inhaltlich sollten sie mit anderen aktuellen und unternehmensrelevanten Themen, wie beispielsweise Leistungen zur Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder Strategien zur Minderung des Fachkräftebedarfs verknüpft werden. Weitere Hinweise zur Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen finden Sie hier.

Zudem kann der Zugang zu Unternehmen und Kammern durch das Engagement in Netzwerken mit Akteuren der freien Wirtschaft erleichtert werden. In solchen wirtschaftsnahen Netzwerken können die Sensibilisierung für das Thema vorangetrieben und wichtige Aspekte zur weiteren Bearbeitung eingebracht werden.

Außerdem hat sich gezeigt, dass bei Arbeitgebern bestehende Vorbehalte vielfach über positive Erfahrungen abgebaut werden können. Das Herausstellen von guten Beispielen ist deshalb wichtig. Immerhin wird zu oft vernachlässigt, dass rund sechs von zehn alleinerziehenden Müttern erwerbstätig sind - viele davon sogar in Vollzeit - und Beruf und Familie erfolgreich in Einklang bringen.

Möglichkeiten, um den individuellen Weg in Beschäftigung zu fördern, ist die persönliche Ansprache von Arbeitgebern durch das Projektpersonal. Sinnvoller als eine allgemeine Anfrage nach Beschäftigungsmöglichkeiten ist es, direkt mit einer geeigneten Teilnehmerin bzw. Teilnehmer auf die Unternehmen zuzugehen. Die Bedeutung der persönlichen Ansprache für Neueinstellungen ist eine zentrale Erfahrung aus der Projektumsetzung, wird aber zum Beispiel auch im IAB-Kurzbericht „Betriebliche Personalsuche und Stellenbesetzungen: Neueinstellungen gelingen am besten über persönliche Kontakte“ erörtert.

Zur Systematisierung dieses Vorgehens empfiehlt es sich, ein Konzept zur bewerberseitigen Vermittlung zu entwickeln. Ein solches Konzept kann verschiedene Bausteine enthalten. Beispielsweise haben die Arbeitgeber durch das Angebot von Kurzpraktika die Möglichkeit, sich persönlich von der Eignung der Bewerberin bzw. des Bewerbers zu überzeugen. Diese Vorgehensweise kann die Chancen gegenüber einem „klassischen“ Vorstellungsgespräch deutlich erhöhen. Das Angebot einer individuellen Nachbetreuung gibt den Arbeitgebern sowie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Sicherheit, in möglicherweise auftretenden schwierigen Situationen eine feste Ansprechperson zu haben. So können kleinere Konflikte zeitnah gelöst werden, und führen nicht direkt zu einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Dieses Angebot sollte auch Arbeitgebern offensiv kommuniziert werden.

Die arbeitgeberbezogenen Leistungen aus dem Regelinstrumentarium der Jobcenter können ebenfalls dazu beitragen, die Offenheit für eine Beschäftigung von Alleinerziehenden zu erhöhen. Neben den Integrationsfachkräften kann auch der Arbeitgeberservice der Jobcenter ein wichtiger Partner im Vermittlungsprozess der Alleinerziehenden sein. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Arbeitgeberservices haben meist einen guten Überblick über den lokalen Arbeitsmarkt und können einschätzen, welche Arbeitgeber für die Zielgruppe der Alleinerziehenden von besonderer Relevanz sein können. Vermittlerinnen und Vermittler, die einen „guten Draht“ zu den Arbeitgebern vor Ort haben, können in einzelnen Fällen auch bewerberseitig vermitteln und Arbeitssuchende platzieren, die nicht immer genau den Vorgaben der Stellenausschreibung entsprechen.

Damit zahlreiche Unternehmen erreicht bzw. Stellen akquiriert werden können, müssen sich Träger und Projektpersonal das Vertrauen der Arbeitgeberseite erarbeiten. Um dieses Vertrauen nicht durch schlechtes Matching wieder zu verlieren, sollte sichergestellt sein, dass die vermittelten Teilnehmerinnen und Teilnehmer tatsächlich über die geforderten Qualifikationen verfügen und die gegenseitigen Erwartungen geklärt sind. Letzteres kann im Gespräch vor der Vermittlung erreicht werden.

Innerhalb der Projekte sind häufig eigens benannte Job-Coaches hauptverantwortlich für die oben genannten Aktivitäten. Diese Job-Coaches sind ein kritischer Erfolgsfaktor für die Arbeitsmarktintegration der Alleinerziehenden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit ist ein guter Überblick über den regionalen Arbeitsmarkt sowie das Wissen um die arbeitgebergerechte Ansprache und die „Vermarktung“ der Zielgruppe. Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen und Kammern sowie das Vorhandensein eigener Netzwerke bilden hierfür eine gute Grundlage.

Für eine Zusammenfassung der bisherigen Erfahrungen zu dem Thema aus dem ESF-Bundesprogramm „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ klicken Sie hier.

Gute Beispiele aus der Praxis des Förderprogramms „Gute Arbeit für Alleinerziehende“

Der Träger des Projektes „Neue Wege für Alleinerziehende“ in Leipzig hat die Erfahrungen aus vergangenen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen bereits in der Konzeptionsphase berücksichtigt und systematisch verschiedene Ansätze zur Sensibilisierung und Ansprache von Unternehmen etabliert. Beispielsweise werden Personalforen für Unternehmen durchgeführt, indem Arbeitgeber aus bestimmten Branchen zum „Unternehmerfrühstück“ oder nachmittags eingeladen werden (max. 1–2 Stunden). Inhaltlich wird das relevante Thema (hier: Alleinerziehende) mit anderen Themen (z. B. Informationen zum Kurzarbeitergeld) verknüpft, um die Teilnahme für Unternehmen attraktiver zu machen. Darüber hinaus wird auch auf anderen Veranstaltungen mit Unternehmen für die Zielgruppe geworben. Schließlich wird auch der Kontakt zu den örtlichen Kammern genutzt, um beispielsweise Artikel in entsprechenden Publikationen zu platzieren.

In Preetz ist eine persönlich und regional sehr gut vernetzte Projektleitung eingesetzt, die selbst aus der freien Wirtschaft kommt (Bankkauffrau) und über ein ausgezeichnetes Wissen um erfolgreiche (innovative) Strategien zur Arbeitsplatzgewinnung verfügt. Neben einer auch aus Teilnehmersicht hohen Kompetenz, die Stärken und Schwächen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu identifizieren und entsprechende Qualifizierungs- und Vermittlungsvorschläge zu machen, zeichnen sie auch bei der Stellenakquise und Vermittlung ungewöhnliche Methoden aus. Dazu gehört beispielsweise, dass diese Projektleiterin nach Stellenangeboten im PLZ-Bereich und nicht unbedingt nach der Branche sucht. So wird zum einen der erschwerten Mobilität im ländlich strukturierten Kreis Rechnung getragen und es können zum anderen auch Stellen identifiziert werden, die ähnliche Kompetenzen erfordern und somit ebenfalls in Frage kommen. Darüber hinaus bietet die Preetzer Projektleitung potenziellen Arbeitgebern statt bzw. ergänzend zu einem Vorstellungsgespräch auch eine Zeit des Probearbeitens an, um Vorurteile abzubauen und die Vermittlungschancen zu erhöhen.

Im Projekt „PASST - Passgenaue Arbeit für Alleinerziehende“ in Nordhorn ist ein fester Job-Coach mit langjähriger Erfahrung in der Wirtschaft und guten Kontakten zu Arbeitgebern für deren Ansprache zuständig. Er pflegt einen regelmäßigen telefonischen und persönlichen Kontakt zu Unternehmen in der Region. Häufig übernimmt er auch die Erstansprache der Arbeitgeber, wenn passende Stellen ausgeschrieben sind. Dabei versteht er seine Rolle auch als Dienstleister für die Unternehmen, indem er ihnen nur passende Bewerberinnen und Bewerber schickt. Wenn es zu einer Arbeitsaufnahme kommt, vermittelt der Job-Coach bei eventuellen Problemen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer auch weiterhin, um voreilige Kündigungen zu verhindern.

Das Jobcenter Halle organisiert in regelmäßigen Abständen eine „Alleinerziehenden – Messe“, die zur Annäherung und besseren Verständigung zwischen den Alleinerziehenden und den potentiellen Arbeitgebern sowie den Maßnahmeträgern und Beratungsinstitutionen beiträgt. Ziel der Messe ist es, die verschiedenen Möglichkeiten der Hilfeleistungen und Anlaufpunkte für Alleinerziehende zu verknüpfen. Neben verschiedenen Beratungsinstitutionen, Vereinen und Bildungsträgern, erscheinen auch interessierte Arbeitgeber. Die Alleinerziehenden haben so die Möglichkeit, in Kontakt zu treten und persönlich ihre Bewerbungsunterlagen zu überreichen.

Im Jobcenter Duisburg wurde der Arbeitgeberservice eng an das Gute Arbeit-Projekt des Jobcenters angekoppelt. Die organisatorische Anbindung an den Arbeitgeberservice stellt den engen Arbeitgeberkontakt sicher. Im Projekt liegt ein starker Fokus auf der bewerberorientierten Vermittlung der Alleinerziehenden durch projektbezogene auf die Zielgruppe spezialisierte Arbeitsvermittlerinnen und -vermittler. Dabei werden sie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Arbeitgeberservice unterstützt, welche ein Büro direkt neben den Beratungsräumen haben. Zudem meldet der Arbeitgeberservice passende Stellen frühzeitig an die Alleinerziehenden-Vermittlerinnen und –Vermittler und sichert so den Zugang der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu diesen Stellen.

Weiterführende Hinweise zum Thema Unternehmensansprache:

Familienfreundliche Unternehmen: Beispiel aus der Praxis. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf www.Familien-Wegweiser.de.

Familienbewusste Arbeitszeiten. Leitfaden für die praktische Umsetzung von flexiblen, familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2011 auf www.bmfsfj.de.

Unternehmerisches Engagement. Beispiele und Tipps aus der Praxis. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf www.Lokale-Bündnisse-für-Familie.de.

Weiterführende Hinweise zum Thema familienfreundliche Personalpolitik:

Leitfaden: Familienbewusste Personalpolitik. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2009.Link

Familienorientierte Personalpolitik. Checkheft für kleine und mittlere Unternehmen. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Deutscher Industrie- und Handelskammertag, berufundfamile gGmbH. 6. Auflage Juni 2010. Link

Aus der Praxis für die Praxis – Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Hotellerie und Gastronomie. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie", 2008. Link

Aus der Praxis für die Praxis – Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Handwerk. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie", 2008. Link

Aus der Praxis für die Praxis – Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Handel. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie", Hauptverband des Deutschen Einzelhandels, 2008. Link

Aus der Praxis für die Praxis – Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Krankenhaus. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie", 2009. Link

Betriebswirtschaftliche Effekte familienfreundlicher Maßnahmen – Kosten-Nutzen-Analyse, Prognos AG; i. A. Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (Hg.), 2. Auflage 2005. Link

Weiterführende Informationen zu finanziellen Vorteilen Familienfreundlicher Maßnahmen:

Internetseiten bieten Tools und Modellrechnungen für Unternehmen, um sich über Kosten und Nutzen familienfreundlicher Personalpolitik für das eigene Unternehmen ein detailliertes Bild machen zu können. Mit Hilfe eines selbsterklärenden Excel-Tools können Arbeitgeber beispielsweise verschiedene Szenarien (Telearbeit, reguläre oder innerbetriebliche Kinderbetreuung) für ihr Unternehmen durchrechnen. Für Fragen steht die Infoline von Mittelstand und Familie zur Seite.

Erfolgsfaktor Familie bietet fertige Modellrechnungen für KMU und Großunternehmen als Kurzbericht.

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