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Netzwerke des Monats: Entwicklung konkreter Produkte auf fundierter Grundlage – vielerorts liegen nun Ergebnisse der Bestands- und Bedarfserhebungen vor

April 2012

Ein Großteil der Netzwerke im ESF-Bundesprogramm „Netzwerke wirksamer Hilfen für Alleinerziehende“ hat Bedarfs- und Bestandserhebungen durchgeführt, um die Situation vor Ort zu analysieren und damit eine fundierte Grundlage für die Netzwerkarbeit zu schaffen. So auch das GOthaer FORum für Alleinerziehende, das Forum Alleinerziehende aus der StädteRegion Aachen und das Düsselnetz, die dabei ganz unterschiedlich vorgegangen sind. Diese Netzwerke haben ihre Befragungen inzwischen ausgewertet und nutzen nun die Ergebnisse als Basis für die Initiierung struktureller Veränderungen und die Entwicklung bedarfsgerechter Produkte.

Hohes Schul- und Ausbildungsniveau der Alleinerziehenden in Gotha

Das „GOthaer FORum für Alleinerziehende“ hat im vergangenen Sommer 115 Alleinerziehende in der Stadt und dem Landkreis Gotha hinsichtlich ihrer Ausgangslage, Bedarfe, Vorstellungen und Erwartungen an ein Unterstützernetzwerk sowie zu Angebotslücken in der Region befragt. Hierzu wurde ein siebenseitiger Fragebogen mit den Bereichen „Allgemeine Informationen“, „Schule und Ausbildung“, „Kinder und Betreuungsangebote“, „Berufliche Tätigkeit“, „Keine berufliche Tätigkeit“ sowie „Netzwerk für Alleinerziehende in Gotha“ erarbeitet. Koordinatorin Christina Hufeld erläutert: „Ziel der Fragebogenaktion war es, die Lebensumstände und Bedürfnisse alleinerziehender Eltern näher kennenzulernen, um die Aktivitäten des Netzwerks ‚GOthaer FORum für Alleinerziehende‘ daran anzupassen. Die Ergebnisse wurden mit allen Netzwerkpartnern ausgewertet und fließen nun in die weitere Arbeit ein.“

Die Ergebnisse der Befragung, die durch persönliche Ansprache erfolgte, zeigen: Fast alle befragten Alleinerziehenden haben mit einer abgeschlossenen Ausbildung oder einem abgeschlossenem Studium einen berufsqualifizierenden Abschluss. Die Ausbildungsberufe der Mehrheit der Befragten sind jedoch in Berufsfeldern zu finden, die sich auf Grund der Arbeitszeiten häufig schwer mit den besonderen Betreuungsaufgaben von Alleinerziehenden verbinden lassen (bspw. Einzelhandel oder Friseure). Die Betreuung der Kinder der Zielgruppe erfolgt überwiegend durch Freunde/Familie und Kindertagesstätten. Ein besonders wichtiges Anliegen der befragten Alleinerziehenden: Sie wünschen sich eine Ausweitung der Kinderbetreuung, sowohl hinsichtlich längerer Öffnungszeiten der Kindertagesstätten als auch bezüglich zusätzlicher Betreuungsoptionen, z.B. durch Tagesmütter.

„Durch die Bedarfsanalyse haben wir auch erfahren, dass die Alleinerziehenden in geringerem Maße an Berufsinteressentests oder an Newslettern interessiert sind, die Website des Netzwerks, Stellenbörsen oder bessere Informationen über Anlaufstellen aber auf großes Interesse stoßen“, so Christina Hufeld. Die durch die Befragung gewonnenen Informationen dienen in Gotha nun als Ausgangspunkt für die Gestaltung der Netzwerkprodukte Internetplattform und Aktionstage.

Gleichzeitig liefern die Befragungsergebnisse auch Erkenntnisse über Teilzielgruppen und deren spezifischen Ausgangslagen. "Diese Informationen werden wir bei der Entwicklung der Dienstleistungsketten besonders in den Blick nehmen,“ sagt Christina Hufeld. Und sie ergänzt im Hinblick auf die geplante Arbeitgebereinbindung: “Das hohe Schul- und Ausbildungsniveau der Alleinerziehenden, das wir feststellen konnten, ist für uns ein weiteres Nutzenargument bei der Akquise von regionalen Unternehmen als Projektpartner.“

Ko-Finanzierung der Bedarfserhebung durch das Jobcenter in Aachen

Auch in der StädteRegion Aachen war den Teilnehmerinnen der Steuerungsgruppe des Forum Alleinerziehende bereits bei Projektstart klar: um eine ideale Dienstleistungskette zu entwerfen und fehlende Angebote zu entwickeln, müssen zuerst anhand einer Erhebung die unterschiedlichen Bedarfslagen von Alleinerziehenden in allen zehn Kommunen der StädteRegion Aachen geklärt werden. Da der Anteil der Alleinerziehenden im SGB II-Bezug in der StädteRegion verhältnismäßig hoch ist, entschloss sich das Jobcenter StädteRegion Aachen, als Kooperationspartner im Forum Alleinerziehende, die Erhebung zu ko-finanzieren und die Fragebögen an alle 4.800 Alleinerziehende im SGB II-Bezug in der StädteRegion Aachen zu versenden. Zum Vergleich wurden zudem stichprobenartig ca. 500 Fragebögen an Alleinerziehende ohne Leistungsbezug verteilt. Insgesamt wurden 1.482 Fragebögen ausgewertet.

Die Projektleiterin des Aachener Netzwerks, Nadine Alff-Pereira, fasst die Ergebnisse der repräsentativen Erhebung zusammen: „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass in der StädteRegion zwei Hauptproblemfelder vorliegen: die Kinderbetreuung und der (Wieder)-Einstieg in den 1. Arbeitsmarkt.“

Die Kinderbetreuungsmöglichkeiten wurden von den Befragten als insgesamt zu teuer (41% der Teilnehmenden) und zeitlich unflexibel eingeschätzt. Insbesondere die fehlenden Betreuungsmöglichkeiten im Krankheitsfall des Kindes (44%) und in Rand- und Notzeiten (37%) wurden bemängelt. 62% aller Befragten sehen die externe Unterstützung bei der Kinderbetreuung als sehr wichtig an.

Durch ihre Position als Familienoberhaupt sind die Alleinerziehenden hochmotiviert, berufstätig zu sein: 77% der Befragten möchten arbeiten, um ihrem Kind ein Vorbild zu sein. Als Hemmnisse zur Arbeitsaufnahme gaben jedoch 30% der Alleinerziehenden im SGB II-Bezug an, als Alleinerziehende von Arbeitsgebern benachteiligt zu werden. Um schneller einen Weg in Arbeit zu finden, wünschen sich 54% eine bessere, zielgerichtete Beratung für Alleinerziehende und die Übernahme von Kinderbetreuungskosten über das Jobcenter.

Das Forum Alleinerziehende hat aus diesen Ergebnissen bereits erste Konsequenzen gezogen: Ein Kooperationspartner, die Picco Bella gGmbH, baut derzeit ein Gewerk für Kinderbetreuung in Rand- und Notzeiten aus. Und auch das Jobcenter hat die Forderungen der Alleinerziehenden bereits aufgegriffen: Für alle Kommunen der StädteRegion werden nun Mitarbeiter speziell für die Beratung Alleinerziehender ausgebildet. Im Sommer plant das Forum Alleinerziehende zudem eine Fachkonferenz zur gezielten Ansprache und Sensibilisierung der Arbeitgeber.

Expertenbefragungen in Düsseldorf

Das Projekt „Düsselnetz – Wirksame Hilfen für Alleinerziehende“ hat im Zuge der Netzwerkarbeit Expert/-innen befragt: zum einen die Träger der beruflichen Weiterbildung, zum anderen die Integrationskräfte des Jobcenters.

Der Koordinator Michael Finke berichtet: „In Düsseldorf sind viele Weiterbildungsträger ansässig. Uns war jedoch nicht bekannt, ob diese auch spezielle Angebote für Alleinerziehende bereithalten.“ Daher wurden im vergangenen Herbst alle Träger der beruflichen Weiterbildung befragt, ob sie entsprechende Weiterbildungsangebote für Alleinerziehende vorhalten und wenn ja, wodurch sich diese Angebote auszeichnen (Akquisestrategien, Lernzeiten, Lernorte, Kinderbetreuung etc.). Von den 112 angeschriebenen Trägern antworteten ein Fünftel (24). Das Ergebnis: Nur neun Träger halten Angebote vor, die auf die Lebenssituation Alleinerziehender abgestimmt sind.

Bei der Bewertung der Ergebnisse waren sich die Partner im Düsselnetz einig, dass trotz der eher geringen Rücklaufquote das Angebot für Alleinerziehende erfasst wurde. Michael Finke vermutet: „Das geringe Angebot ist Ausdruck der Situation, dass viele Weiterbildungsträger darauf verzichten, nicht refinanzierbare Angebote, wie bspw. Maßnahmen, die auf die speziellen Bedürfnisse von Alleinerziehende zugeschnittenen sind, anzubieten. Wir nehmen nun die Erhebung zum Anlass, mit der Agentur für Arbeit in einen Austausch darüber zu treten, dass Maßnahmen für Alleinerziehende oftmals gut begründet über den durchschnittlichen Kostensätzen liegen. Wir hoffen, im Rahmen der Netzwerkarbeit einen Ausbau an speziellen Angeboten für die Zielgruppe erreichen zu können.“

Eine weitere Befragung wurde im Winter 2011/2012 mit den Integrationskräften des Jobcenters durchgeführt. Ziel war es mehr über die Beratungspraxis des Jobcenters zu erfahren und den Bedarf der Integrationskräfte an Unterstützung zu klären. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Alleinerziehende SGB II-Empfänger/-innen mit Kindern unter drei Jahren werden in der Regel nicht zu einem Beratungsgespräch eingeladen.
  • Die Zufriedenheit der Kund(inn)en des Jobcenters mit den Beratungsleistungen der zentralen Informationsbörse zur Kinderbetreuung ist steigerungsfähig.
  • Die Integrationskräfte bevorzugen klassische Informationsmedien zum Thema Kinderbetreuung.

Die Ergebnisse wurden im Netzwerk gemeinsam mit dem Jobcenter diskutiert und auch hier schnell erste Konsequenzen gezogen. So wurde schon während der Auswertung der Befragung die Einladungspraxis insofern geändert, als dass nun auch alleinerziehenden Müttern mit Kindern unter drei Jahren ein Beratungsgespräch angeboten wird. Um die Zufriedenheit der Alleinerziehenden mit der Beratungsleistung zu verbessern, sind zudem Vertreter/-innen des Jobcenters und des Jugendamtes im Rahmen der Arbeit des Düsselnetzes in einen intensiven Dialog getreten. Und auch dem Wunsch der Integrationskräfte nach klassischen Informationsmedien wird Rechnung getragen: Neben einem geplanten Extranet wird auch ein gedrucktes Kompendium zur Kinderbetreuung erstellt.

Die detaillierten Ergebnisse der Erhebungen der drei Netzwerke stehen im internen Bereich der Programmwebsite in der Rubrik „Arbeitshilfen“ zum Download zur Verfügung.